Britannien

Britannien – Großbritannien - Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

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In der heutigen Zeit wird die Bezeichnung Britannien ganz überwiegend als Kurzform für Großbritannien verwendet. Für viele ist eins wie das andere.

Tatsächlich ist der Name Britannien allerdings die antike Bezeichnung für die von den Kelten bewohnte Insel. Heute nennt man sie Großbritannien, um sie von der Bretagne („Kleinbritannien“) zu unterscheiden.

Britannien Karte
Landkarte von Didier Robert de Vaugondy (1750) mit den Inseln Britannien als Britannia major („Großbritannien“) und Irland als Britannia minor („Kleinbritannien“) | http://maps.bpl.org [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]
Für die Inselbewohner und deren Geschichte ist es ein deutlicher Unterschied, ob von dem Britannien aus früheren Jahrhunderten, vom Großbritannien nach der Vereinigung von England und Schottland oder gar vom Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland, kurz UK, gesprochen wird.

Der Name Britannien stammt von Britannia ab. Die daraus abgeleitete deutsche Fassung Britanni bedeutet Inselbewohner.

Römische Provinz Britannien – Gegenentwurf zur französischen Bretagne

In der Zeit von etwa 40 bis 440 Jahre nach Christi Geburt stand die britische Insel zu einem großen Teil unter römischer Herrschaft. Bis dahin wurde die Atlantikinsel überwiegend von Stämmen mit keltischer Kultur und Sprache belebt.

Dem römischen Feldherrn Gaius Iulius Caesar gelang es in mehreren Versuchen, mit seinen gegenüber den Keltenstämmen deutlich besser ausgebildeten Truppen auf der Insel Fuß zu fassen. Das eroberte und besetzte Gebiet erstreckte sich von Süden nordwärts bis hin zu dem von den römischen Besatzern errichteten Hadrianswall.

Der Hadrianswall in Großbritannien
Der Hadrianswall an der Grenze zwischen England und Schottland

Der war ein Grenzbefestigungssystem nach dem Muster des Limes als der damaligen Außengrenze des römischen Reiches. Der Grenzwall Limes wurde auf der gesamten Insel als Limes Britannicus respektive britannischer Limes bezeichnet.

Diese Wall- und Grenzanlagen dienten dem Schutz der Hauptverkehrswege quer über die Insel innerhalb des von den Römern besetzten Britanniens. Der Teilabschnitt Hadrianswall des britannischen Limes verlief nahe der heutigen Grenze zwischen England und Schottland.

Er war etwa 120 Kilometer lang und ein durchgängig fünf Meter hoher Sperrwall mit Wachtürmen, Brücken und Grabensystemen nebst Meilenkastellen. Heutzutage ist der Hadrianswall oberirdisch in längeren Teilabschnitten noch erkenn- und sichtbar.

Mit dem Verfall des Römischen Reiches verloren die Besatzer ihren Einfluss in Britannien und zogen sich sukzessive zurück. In kriegerischen Auseinandersetzungen über mehrere Jahrhunderte besiegten angelsächsische die römischen Truppen und beendeten letztendlich die Vorherrschaft der Besatzer aus Rom.

Während der jahrhundertelangen Besatzungszeit der römischen Provinz Britannien wurden mehrere Dutzend Statthalter eingesetzt, abberufen oder getötet.

Die beiden Namensgebungen Großbritannien für die Insel und Bretagne als Kleinbritannien für die französische Halbinsel sollten schon zur damaligen Zeit den flächenmäßigen Unterschied deutlich machen. Die Bretagne ist mit ihrer Fläche von knapp 30.000 km² nicht nur deutlich kleiner, sondern darüber hinaus auch „nur“ eine Halbinsel.

Zusammenfassend gesagt: Britannien ist die antike Bezeichnung aus der Zeit bis zu Tausend Jahre vor Christi Geburt für die damals von Kelten bewohnte Insel im Nordatlantik.

Der Übergang von Britannien zu Großbritannien

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden parallel die beiden Begriffe Großbritannien für die Insel sowie Kleinbritannien für die französische Halbinsel Bretagne verwendet. Doch damit war das damalige noch keineswegs das heutige Großbritannien. Die englischen Bezeichnungen lauten Great Britain und Brittany.

Die politische Umgestaltung des damaligen Britanniens erfolgte in mehreren Jahrhunderten und Zeitabschnitten. Maßgeblichen Anteil daran hatte die Regierungszeit von König Jakob VI. von Schottland; er regierte auch als Jakob I. von England.

Der Act of Union 1707

Mit dem Act of Union 1707, zu Deutsch Vereinigungsgesetz, wurden die beiden damaligen Königreiche von England und von Schottland zu Großbritannien als einem gemeinsamen Königreich zusammengeführt. Das britische Parlament ersetzte mit Wirkung ab Mai 1707 das bis dahin jeweils getrennt regierende englische sowie das schottische Parlament.

Bis zu dieser Umsetzung dauerte es ein ganzes Jahrhundert. Mit dem Act of Union wurde das schottische Parlament aufgelöst. Anstelle dessen wurden 16 Peers der Peerage of Scotland in das House of Lords sowie 45 Abgeordnete in das House of Commons delegiert.

Der Vereinigungsvertrag garantierte den Schotten ihre Eigenständigkeit mit der Church of Scotland sowie den Erhalt des schottischen Zivilrechtssystems mit dem Court of Session. Eine Zoll- und Währungsunion trat in Kraft, Maße und Gewichte sowie Verwaltungs- und Besteuerungssystem wurden angeglichen.

Union Jack als Flagge des Vereinigten Königreichs
Union Jack als Flagge des Vereinigten Königreichs

Die Union Jack als neue Flagge ist ebenfalls ein Ergebnis des Act of Union. In den momentanen Wochen und Monaten des Brexit erinnert Vieles an diese jahrhundertealten Gesetze und Traditionen.

Wenn der heutige Parlamentssprecher John Bercow oder der jetzige Premierminister Boris Johnson alte Gesetze suchen, finden und noch immer anwenden, dann geht so manche Bestimmung davon auf den über 300 Jahre alten Act of Union zurück.

Wales und Großbritannien

Wales wurde in den 1540er-Jahren durch den damaligen Act of Union nicht mit Britannien vereinigt, sondern eingegliedert mit der Folge, dass seitdem auch in Wales das britannische beziehungsweise heutzutage englische Recht gilt. Diese Regelungen wurden in den 1990er-Jahren aufgehoben; seitdem ist Wales rechtlich wieder autonom.

Irland und Großbritannien

Ein entscheidender Schritt hin zum heutigen UK, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland war der Act of Union 1800. Mit dieser Umgestaltung wurden die bislang von Großbritannien mit verwalteten irischen Grafschaften in das Vereinigte Königreich aufgenommen. Bis dahin hatten 26 von insgesamt 32 Grafschaften den Irischen Freistaat als Vorgänger der heutigen Republik Irland gebildet.

Diese historische Entwicklung macht deutlich oder lässt anders gesagt erahnen, wie schwierig es für die heutige englische Bevölkerung ist, sich für Brexit, gegen Brexit oder mittlerweile für No-Brexit zu entscheiden.

Häufige Fragen zu Britannien

Wo ist Britannien?

Das Land Britannien als solches gibt es nicht mehr. Britannien ist die Antike Bezeichnung der von den Kelten bewohnte Insel.

Ist Britannien ein Land?

Britannien ist kein eigenes Land, sondern bezeichnet die von den Kelten bewohnte Insel, die man heutzutage Großbritannien nennt.

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