Hadrianswall

Der Hadrianswall als Abwehr gegen die wilden Kelten

Der Hadrianswall an der Grenze zwischen England und Schottland
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Der Hadrianswall erstreckt sich über 117 km an der heutigen Grenze zwischen England und Schottland.  Er wurde als römisches Grenzbefestigungssystem des britannischen Limes zwischen 122 und 128 nach Christus erbaut.

Der Name dieser ursprünglich als Schutzwall zwischen England und Schottland genutzten Festung geht auf den römischen Kaiser Hadrian aus dem ersten Jahrhundert nach Christus zurück.

Wer an große Mauerwerke zwecks Schutz vor Invasion fremder Mächte und zur allgemeinen Gefahrenabwehr denkt, dem kommt zuerst die Mauer zwischen der ehemaligen westdeutschen Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik in den Sinn.

Eine Festung ohne politische Bedeutung

Weniger bekannt ist dagegen der Hadrianswall. Besonders in der Antike waren breite Mauern als Schutzwall, die um ganze Städte herumgezogen wurden und Festungsbauten wie der Hadrianswall weit verbreitet, denn Feinde lauerten schließlich überall.

Obwohl diese Festung die Grenze zwischen den beiden, zum Vereinigten Königreich Großbritannien zählenden Staaten Schottland und England markiert, kommt diesem antiken Bauwerk keine politische, sondern eher eine symbolische Bedeutung zu. Diese Grenze entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Grenze zwischen Schottland und England, wie sie heute besteht.

Der Hadrianswall in Großbritannien
Der Hadrianswall an der Grenze zwischen England und Schottland

Diese Tatsache könnte sich jedoch ändern, wenn die Schotten irgendwann einmal mit ihrem Volksbegehren, das die Unabhängigkeit von der britischen Krone anstrebt, erfolgreich sein werden. In diesem Fall könnte dieses Festungswerk von beeindruckender Größe viel mehr als nur ein Grenzsymbol längst vergangener Zeiten sein. Dem Hadrianswall würde eine erneute politische Bedeutung zukommen.

Daten, Zahlen und Fakten rund um den Hadrianswall

Dieses Bauwerk war ein römisches Grenzbefestigungssystem, das zu dem System des Britischen Limes gehörte. Unter diesen Begriff fallen alle Befestigungs- und Wallanlagen, die die Küsten und den Norden Englands an der schottischen Grenze schützen sollten. Dieser Limesabschnitt existierte in der Zeit vom 1. bis zum 5. Jahrhundert nach Christus.

Der Hadrianswall ist ein Sperrwerk mit 80 Meilenkastellen, 16 Hilfstruppenkastellen, 320 Wachtürmen, Brücken und Grabensystemen. Heutzutage existieren durchaus unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich Sinn und Zweck dieses Wallsystems.

Während viele Historiker und Geschichtsinteressierte von einer Festung zu Schutzzwecken ausgehen, sind andere der Meinung, der Hadrianswall sei vor allem zwecks Überwachung von Personen- und Güterverkehr errichtet worden. Dieser sollte an den vorgesehenen Grenzübergängen abgewickelt werden, um Zölle zu erheben.

Außerdem war wohl die Abwehr der sogenannten schottischen Wilden vorgesehen, die sich nicht unkontrolliert im Gebiet der römisch besetzten englischen Provinzen ansiedeln sollten.

Invasionen waren zu Zeiten des römischen Kaisers Hadrian an der Tagesordnung. Daher war es auch nicht verwerflich, sich mit entsprechenden Maßnahmen gegen diese unerwünschten Aktivitäten von außen zu wehren. Nach einer Inspektionsreise durch die englischen Provinzen ordnete Kaiser Hadrian ganz offen den Bau aus Mauer und Festung an.

Während der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht im Jahr 1961 den Bau der Mauer noch vehement dem berühmten Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“ leugnete, war der römische Kaiser in der angenehmen Situation, dieses Werk unter allgemeiner Zustimmung der Bevölkerung dieser britischen Provinz des römischen Reiches bauen zu lassen.

Er hatte die Bevölkerung angesichts der zahlreichen Überfälle aus dem hohen Norden in Schottland von einem erhöhten Schutzbedürfnis überzeugen können. Die gut ausgebildeten römischen Legionäre hatten es nicht leicht, die hartgesottenen Vertreter der Keltenstämme abzuwehren.

Diese Männer lebten in dem rauen Klima Schottlands und waren einiges gewohnt und wurden von den Römern aufgrund ihrer vielfachen Tätowierungen auch als Pikten bezeichnet. Von Zeit zu Zeit beteiligten sich auch die irischen Skoten an den Invasionen der keltischen Völker aus dem hohen Norden.

Auch nach Kaiser Hadrian hatten sich diverse Nachfolger daran versucht, die Kelten aus dem hohen Norden in Schach zu halten, meistens jedoch erfolglos. Immer mal wieder versuchte man, den Hadrianswall weiter nach Norden auszubauen, fiel jedoch innerhalb kurzer Zeit erneut hinter die bereits bestehenden Grenzen zurück.

Kaiser Hadrian wusste es besser. Seine Strategie lautete, Grenzen zu verteidigen, anstatt diese zu erweitern. Das Großprojekt beschäftigte 15.000 Soldaten, die ihren Lohn ohnehin erhielten, das unterschiedliche Material kam aus der Region, musste jedoch aus 12 Kilometer entfernten Steinbrüchen herangeschafft werden, was zur damaligen Zeit ein durchaus mühevolles Unterfangen war.

Der Hadrianswall
Der Hadrianswall ist 5 bis 6 Meter hoch und ca. 3 Meter breit

Das Mauerwerk ist fünf bis sechs Meter hoch und drei Meter breit und wurde weitgehend in Handarbeit ohne Hilfsmittel, die damals nur in sehr geringem Maße bekannt waren, gefertigt. Im Laufe der Bauzeit wurde der Schutzwall immer besser an das Gelände angepasst.

Zwischenfälle wie Epidemien, kriegerische Auseinandersetzungen mit den sogenannten Wilden aus dem hohen Norden Schottlands und die Verlegung ganzer römischer Legionen zwangen die Bauherren wiederholt zu Kompromissen.

Die Transportlogistik war vermutlich eine große Herausforderung. Historiker sind sich nicht einig darüber, ob der Hadrianswall durch die Römer und britischen Soldaten tatsächlich vollendet wurde oder ob noch weitere Baupläne bestanden. Denkt man die ausufernden Prunkbauten des Römischen Reiches, liegt der Schluss nahe, dass diese Grenzfestung ein Provisorium geblieben ist.

Heutzutage sind noch zahlreiche Inschriften im Mauerwerk vorhanden, die Auskunft über den jeweiligen Baueinheiten und die verantwortlichen Offiziere geben.

Die Entstehung von Siedlungen rund um den Hadrianswall

Im Laufe der Zeit entstanden mehrere Siedlungen um den Hadrianswall herum, deren Aufgabe darin bestand, die entlang der Mauer stationierten Truppen zu versorgen. Ferner dienten diese Siedlungen als Landverwaltung und Handelszentren für die Zivilbevölkerung. Die an der Grenzbefestigung stationierten Garnisonen brachten der Landbevölkerung Soldaten mit vergleichsweise hoher Kaufkraft.

Schnell zog es immer mehr Menschen in diese Region nahe der schottischen Grenze, viele von ihnen auch Angehörige der dort stationierten Soldaten. Schon bald waren einige der Siedlungen größer als die Garnisonen selbst. Während die Soldaten in den zahlreichen Kastellen innerhalb des Schutzwalls lebten, wohnten die Angehörigen vermutlich in den umliegenden Siedlungen.

Hier befanden sich Werkstätten, Kirchen, Geschäfte, Bordelle und Friedhöfe. Nach dem Ausscheiden aus der Armee erhielten die Soldaten ein kleines Stück Land, um dieses für den Eigenbedarf zu bewirtschaften. Damit entwickelte sich die Bevölkerung rund um den Hadrianswall weiter.

Trotz der nördlichen Lage im Grenzgebiet zu Schottland war die Festung über ein gut ausgebautes Netz von Versorgungswegen leicht erreichbar. Daher konnte der römische Herrscher den Hadrianswall vergleichsweise kostengünstig innerhalb von sechs Jahren bauen lassen.

Dieser Schutzwall zieht sich mit einer Länge von 135 Kilometern von der Ostküste bis zur Westküste und verbindet Newcastle im Osten mit Solway Firth (Bowness-on-Soulway) im Westen. Wer diesen Grenzbereich zwischen England und Schottland kennenlernen möchte, wandert idealerweise in dieser Richtung entlang des Walls durch die fast immergrüne Landschaft. Games of Thrones ist eine der erfolgreichsten Serien Hollywoods, in der ein Bauwerk namens „The Wall“ eine zentrale Rolle spielt.

Der Autor R.R. Martin wurde angeblich vom Hadrianswall zu seiner Geschichte inspiriert. Heutzutage ist der Erhalt dieser Festungsanlage nicht mehr so günstig wie in der Antike, denn English Heritage muss große Summen aufbringen, um dieses historische Bauwerk zu erhalten. Die noch im Originalzustand befindliche Mauer sollte nicht betreten werden, da Schäden im Steinwerk und damit Verletzungsgefahr nicht auszuschließen sind.

Es macht jedoch auch Spaß, entlang der Mauer und den römischen Gräbern zu gehen. Eine weitere römische Grenzanlage wurde weiter nördlich in England errichtet, allerdings besteht diese aus Holz. Heutzutage sind noch einige Überreste von dieser als Antoniuswall bezeichneten Grenzanlage erhalten.

Der Hadrianswall diente auch dazu, denn Warenschmuggel aus den umliegenden Ländern zu unterbinden. Im vierten Jahrhundert nach Christi kehrte jedoch vorerst eine vergleichsweise erfreuliche Ruhe zwischen den keltischen Völkern im Norden und der römischen britischen Provinz im Süden ein. Fast herrschte so etwas wie Sympathie zwischen Nord und Süd. Daher sah man sich nicht dazu veranlasst, die Hadrianslinie in einem baulich stabilen Zustand zu belassen.

Diese einst wichtige Festung wurde vernachlässigt und irgendwann begann der Zahn der Zeit daran zu nagen. Große Teile des Schutzwalls, der Kastelle und Türme verfielen. Allerdings entschied man sich dann doch, diese Festung nicht weiter ihrem Schicksal zu überlassen und übte sich fleißig in Bau- und Restaurationstätigkeit, man weiß ja schließlich nie, was da noch so alles kommt.

Der Hadrianswall in der Neuzeit

Das 135 Kilometer lange Festungswerk kann es hinsichtlich der Größe mit der Berliner Mauer, die um die ganze Stadt verlief, jedoch nicht aufnehmen. Allerdings wurde der Hadrianswall aus besseren Gründen gebaut als die Berliner Mauer.

Diese Grenze zwischen England und Schottland war dazu gedacht, die Bevölkerung und wirtschaftliche Interessen gegen unberechtigte Angriffe von außen zu schützen, während die Berliner Mauer ein reines Politikum und Propaganda war, um die Interessen der Sowjetunion durchzusetzen und die Bürger der DDR einzusperren, um weitere größere Abwanderungsbewegungen in den Westen abzuwenden.

Nicht immer wurde diese Grenzbefestigung jedoch für reine Schutzzwecke genutzt. Im elisabethanischen Zeitalter des 17. Jahrhundert bildete dieses Bauwerk ideale Versteckmöglichkeiten für Viehdiebe und Wegelagerer, die ihr Unwesen im Grenzgebiet von Yorkshire und Schottland trieben. Zu diesem Zeitpunkt war der Hadrianswall schon seit langer Zeit keine wichtige Wallzone mehr. Das Bandenwesen in diesem Gebiet uferte jedoch derart aus, dass die Londoner Regierung die Notbremse zog und überlegte, den Schutzwall wieder zu aktivieren.

Schon zu dieser Zeit schritt die Zivilisation deutlich voran und machte sich durch starke Bautätigkeiten bemerkbar. Also entschied man sich, das Material der jetzt nutzlosen Mauer abzutragen und für den Bau von Häusern, Kirchen, Bauernhöfen und einer Klosteranlage zu verwenden. Auch eine Militärstraße wurde mit dem Material dieser Mauer gepflastert.

Dieser Militärstraße kam eine strategische Bedeutung zu, denn die englische Armee beabsichtigte, hier eine Revolte der Schotten unter Charles Edward Stewart im Jahr 1745 niederzuschlagen. Renommierte Antiquare interessierten sich im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts für den Hadrianswall. Dieses Interesse bestand die nächsten Jahrzehnte über weiter und viele Geschichtsinteressierte bemühten sich, die Reste dieser Schutzmauer zu erhalten.

Der Hadrianswall heute

Der Hadrians Wall Path gehört zu den 16 englischen National Trails. In Vindolanda erfahren Interessierte mehr über die Geschichte des Hadrianwalls und das römische Militär im Roman Army Museum. Die Teilnahme an einer Ausgrabung rundet diesen interessanten Besuch ab. Weitere interessante Ausflugsziele sind das Tally Art Museum and Art Gallery, das Ravenglass Roman Bath House und The Corbridge Hoard.

Die Wanderwege gelten als recht einfach, daher können auch weniger sportliche Grenzbesucher die volle Länge oder Teile der Strecke ohne große Anstrengungen entlangwandern.

Einige Teile der Schutzanlage sind jedoch nicht erhalten geblieben, da die Römer diese Anlage für Wohnzwecke nutzten. Wer es etwas bequemer mag, erkundet diese Grenzfestung über den Hadrian Cycle Way, der extra für Fahrradfahrer angelegt wurde.

Platane im Sycamore Gap
Platane in Sycamore Gap

In Sycamore Gap steht die wohl bekannteste Platane Englands. Sie passt sich der sanftgrünen Hügellandschaft perfekt an. Bekannt wurde sie durch den Film Robin Hood – König der Diebe, in dem Kevin Costner den Titelhelden spielte und sich im Schatten des Baumes von seinen vielseitigen Aktivitäten ausruhte.

Die Nachfahren dieser revoltierenden Schotten agitieren heutzutage erneut unter Leitung der Regierungschefin Nicola Sturgeon gegen die Engländer, allerdings in deutlich zivilisierterer Art und Weise als ihre Vorfahren. Jetzt bemüht man sich um die Unabhängigkeit von Großbritannien mittels Volksentscheiden. Umso mehr angesichts des von den Schotten ungeliebten und kurz bevorstehenden Brexits, dem Austritt Groß Britanniens aus der Europäischen Union.

Die Schotten wollen unbedingt in der EU verbleiben und bemühen sich daher, ein souveräner Staat zu werden und das ungeliebte England endlich loszuwerden. Würde dieser Wunsch der Schotten in Erfüllung gehen, könnte dem Hadrianswall im englisch-schottischen Grenzgebiet wieder eine stärkere Bedeutung zukommen.

Der Hadrianswall ist der am besten erhaltende Zeitzeuge römischer Präsenz im heutigen britischen Königreich. Die Grenzbefestigung spiegelt die römische Baukunst wider, denn immerhin hält diese bereits seit mehr als zweitausend Jahren den nicht gerade günstigen Wetter- und Klimabedingungen stand.

1725, 1949 und 2003 wurden drei pfannenförmige Gefäße gefunden, deren Inschrift den Schluss zulassen, dass es sich um Gefäße zum Weinschöpfen handelt, die aus der Gegend des Hadrianswall stammen, da die Namen einiger der Lager des Schutzwalls sichtbar sind.

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